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Die Geschichte:
Man muss sich nicht ärgern.

Man muss sich nicht ärgern - Teil 2.

Es war bei Leibe kein Brotneid. Nein, es war Ehrensache und gerade deswegen fing er sich zu ärgern an. Es dauerte aber nicht sehr lange, bis er ihn wieder abschüttelte und auch darüber lachte. Ein paar Tage später aber, es war ein Nachmittag, da las er im Wochenblatt ein Inserat vom Pantschler, in dem es hieß: „Alle Arten von Torten, Beben, Kuchen, Schokoladen (und was nicht noch alles) empfiehlt die Konditorei Pantschler“. Gerade die letzten beiden Worte waren so richtig fett gedruckt. Nun ärgerte er sich wieder, sodass er fast schwarz wurde. (Der Floh fing an zu laufen.) So ging das immer weiter. Alle paar Wochen stand die Konditorei Pantschler im Wochenblatt, immer auf der Seite, auf der die Familiennachrichten standen. Das war nun unserem C. M. Kunath zu viel. Man sagt immer von Gram und Ärger würde man mager werden. Aber, das ist nicht überall der Fall. Unser Kunath wurde immer dicker, weil er fortan seinen Ärger mit viel Kuchen und Gebäck verdrängte.

Wenn nun Kunath dem Pantschler auf der Straße begegnete, sah er ihn immer ganz giftig an. Grad so als wollte er zu ihm sagen: „Wenn ich dich nur einmal in meinem Backtrog hätte. Dich würde ich aber richtig bearbeiten, du, du Pantschfritze!“ Pantschler tat aber nicht dergleichen. Er machte seine Kuchen weiter und Kunath konnte ihm nichts anhaben. Nun kam es einmal vor, dass die Frau vom Kunath zu ihrem Mann sagte, er sollte mal zum Bahnhof gehen und nachsehen, ob eine Ladung Mehl angekommen wäre. Unser Kunath ließ sich das nicht zweimal sagen, denn ein jeder geht gern zum Bahnhof. Er zieht sich also schnell an und macht sich auf den Weg. Als er nun in der Nähe vom Ratskeller war, kommt ihm doch der Pantschler in den Weg. Ausweichen konnte unser Kunath nicht und so musste er an ihm vorbei. Vielleicht hatte nun der Pantschler einfach nur gute Laune oder es war sonst noch etwas anderes. Kurzum, der Pantschler verzog den Mund zu einem Grinsen, als er den Kunath sah. Alle Wetter, das wurde dem Kunath nun doch zu bunt. Er ging ganz nahe an den Pantschler heran, kochte innerlich vor Wut und sagte: „Sie, Sie! Sie! Sie sind, Sie sind“. „Na was denn?“, fragte der Pantschler und lachte wieder. Da aber dachte unser Kunath, wenn er ihm jetzt eine Gemeinheit an den Kopf würfe, dann würde er sicherlich bestraft werden. So sagte er nur sehr giftig: „Sie sind ein Pantschler und weiter nichts.“ „Jawohl Herr Kollege!“, erwiderte der. Nun hörte es aber ganz auf. Unser Kunath ärgerte sich dermaßen, dass er den Bahnhof ganz vergaß und schnurstracks in den Ratskeller ging. Dort saßen nun aber bereits einige Leute. Lauter Bekannte vom Kunath und ein Fremder war auch dabei. Einer von ihnen nahm unseren Kunath beiseite und sagte, er möge sich doch zu ihnen setzen. Er stellte ihn auch gleich dem Fremden vor, indem er sagte: „Hier stelle ich ihnen unseren besten Konditor vor, C. M. Kunath.“ „Mein Name ist Meyer“, sagte der Fremde. „Oh, das tut nichts“, meinte Kunath.

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