Foto: Kuchen

 

Die Geschichte:
Man muss sich nicht ärgern.

Man muss sich nicht ärgern - Teil 3.

Als sie einander vorgestellt waren, konnten sie sich auch unterhalten. Das war nun Balsam auf die Wunden von unserem C. M. Kunath. „Ein wirklich vernünftiger Mensch, der Herr Meyer“, dachte er. Dann wurde es in der Runde ganz lustig. Sie alle lobten ständig seinen Kuchen und sagten, so wie seiner wäre keiner auf der Welt und sie hätten doch einen großen Appetit. Als unser Kunath aber noch immer nicht verstand, worauf sie hinaus wollten, fragten sie ihn ganz direkt, ob er nicht ein paar Stückchen zum Besten geben wolle. Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Er warf einen harten Taler auf den Tisch und sagte: „Hier Leute, habt ihr einen Taler. Nun lasst für die ganze Runde Kuchen holen.“ Einer von seinen Bekannten besorgte einen Boten und sagte ihm, er möchte gleich zu Kunath eilen und dort für einen Taler den besten Kuchen holen. Kunath fügte noch hinzu, er möge auch die besten Empfehlungen von ihm übermitteln. Der Bote, es war der Kellner Mitscherlich, bekam 10 Pfennige und machte sich sogleich auf den Weg. Nun ging die Party erst richtig los. Alle aßen sie und lobten den Kuchen sosehr, dass es eine wahre Freude war. (Der Floh war also wieder weg.) Es konnte nun aber nicht besser passen, denn gerade, als sie so sehr beim Loben waren, trat auf einmal der Pantschler zur Tür herein. Gerade als Herr Meyer sagte, so einen vorzüglichen Kuchen habe er noch nie gegessen. Das hatte der Pantschler gehört, und auch als unser Kunath sagte: „So guten Kuchen bekommt man nirgendwo.“ Seine Augen leuchteten und er saß da, wie der König in dem Gedicht „Des Sängers Fluch“ als gesagt wurde: „Du hast mein Volk verführt, verlockst du nun mein Weib?“ So sah unser Kunath aus, genauso. Er wunderte sich nur, dass der Pantschler nicht gekränkt war und sogar einen Kaffee mittrank.

Selbst vom Kuchen aß er, als ihm einer der Gäste ein paar Stückchen präsentierte. Kunath kaute also an einem großen Stück Torte, trommelte mit den Fingern auf dem Tisch und meinte nun, er müsse etwas sagen, damit der Pantschler nicht noch denkt, er würde sich genieren. Das sollte er sich nun wirklich nicht einbilden. Er sprach also zum Kellner: „Mitscherlich, ihr seid aber schnell gelaufen. Von hier bis zu mir und zurück, in zehn Minuten, ist denn das die Möglichkeit?“ Das fiel nun auch den Anderen auf. Einer sagte, das sei gar nicht möglich und fragte, ob der Kuchen denn überhaupt vom Kunath wäre. Als der Mitscherlich nun so ins Kreuzfeuer gekommen war, bekam er große Angst. Lügen half nichts. Da sagte er dann, er hätte gedacht, Kuchen ist Kuchen, und weil es draußen regnete und der Pantschler nicht so weit weg war, hätte er den Kuchen von ihm geholt. Er hätte aber ansonsten alles ausgerichtet, wie es ihm aufgetragen wurde, dass Kunath den Kuchen haben wollte und vom Besten und, und, und.
Unser Kunath hörte das, nahm seinen Hut, stürzte hinaus und schwupp war die Türe hinter ihm wieder zu. Alles im gleichen Augenblick. (Jetzt hatte der Floh erneut gestochen.)
Macht, was ihr wollt, wenn ein Ärger kommt, ist er eben da und der ganze psychologische Vorgang lässt sich nicht wegalbern. Ein bisschen besser wird es, wenn man sich die Füße mir kaltem Wasser wäscht. Das zieht nämlich das Blut nach unten. Es hilft aber nicht sehr lange. – Man muss sich aber nicht ärgern.

ENDE