Foto: Besucherbergwerk TU Freiberg

oben: Besucherbergwerk Freiberg, Foto Unukorno, CC-BY-SA

Die Geschichte:
Zwei Fliegen auf einen Schlag.

Zwei Fliegen auf einen Schlag - Teil 2.

... Erst ganz sachte, danach aber fing er laut zu trommeln an. Da guckte nun endlich der Bäcker von oben mit seiner Schlafmütze zum Fenster raus und fragte, was das für ein Krawall wäre. Wie Karl nun zu ihm sagte, er wäre es und er hätte einen falschen Schlüssel erwischt, da fing der Bäcker an zu schimpfen, wie eine Rohrdommel. Er sagte, Karl solle selbst sehen, wo er bleibt, und ließ ihn nicht hinein. Unser Karl hatte nun aber auch ein großes Mundwerk und so ging es mit den Redensarten rauf und runter, dass es in der kleinen Gasse laut schallte. Nun weiß der Kuckuck, wie es kam, das der Nachtwächter auch einmal in dieser Straße vorbeischaute. Er dachte wohl, dass hier ein Ruhestörer oder gar ein Dieb sein Unwesen trieb. Den wollte er nun festsetzen. Gesagt – getan, Karl musste mit ihm gehen und so verbrachte er die Nacht in einem warmen Stübchen. Merkwürdigerweise gab es aber dort keine Betten, sondern nur Bänke aus hartem Holz. Na das konnte jedem braven Mann einmal passieren und unser Karl konnte sich auch sehr schnell darüber hinwegsetzen. Doch schon bald kam seine Laußnitzer Natur hervor. Das war ihm zu grob. Er war ganz unschuldig. Der Bäcker und der Nachtwächter mussten eine Strafe dafür bekommen, aber wie? Damit hat er sich ein paar Tage lang herumgequält. Er konnte es nicht finden. Einmal, es war abends, so etwa um zehn, guckte er zum Fenster raus, sah in die schwarze Nacht und dachte an mancherlei Dinge. Da trat der Bäcker vor die Haustür und blieb ein bisschen draußen stehen. Gleich danach kam der Nachtwächter. Da passte unser Karl auf, wie ein Heftelmacher. Der Bäcker sagte zum Nachtwächter, er solle ihm am nächsten Morgen frühzeitig wecken. Er hätte sehr viel vorzubereiten und wüsste nur noch nicht, um welche Zeit er ihn wecken sollte. Illustration zur Geschichte: Zwei Fliegen auf einen Schlag Er würde es aber mit Kreide draußen an die Tür schreiben, und wenn er dann gegen elf wieder hier vorbei käme, könnte er die Zeit ablesen. Na da kam dem Karl ein Gedanke. Zuerst wartete er, bis der Bäcker wieder rauskam und etwas an die Haustür schrieb. Danach, als ihm gewiss wurde, dass der Bäcker wieder in seine Backstube gegangen war, schlich er in Strümpfen die Treppe herunter, schloss heimlich die Haustür auf und sah draußen nach. Da stand „3 Uhr“. Unser Karl, nicht faul, machte gleich, hast du nicht gesehen, eine Fünf daraus und sah zu, dass er wieder auf sein Zimmer kam. Richtig, gegen elf kam der Nachtwächter und leuchtete mit der Laterne an die Haustür. Er sagte laut, dass es unser Karl hören konnte: „um fünf, na das ist aber nicht so zeitig.“ Da lachte unser Karl, kroch in sein Bett und schlief wie ein Mehlsack. Früh aber wachte er wegen eines großen Radaus auf, den der Bäcker im Hausflur vollführte. Er zankte sich mit dem Nachtwächter und erklärte ihm, dass sein ganzer Teig hinüber war und das er nicht seine Pflicht getan hatte und dergleichen mehr. Der aber sagte immer wieder, er hätte ihn zur rechten Zeit geweckt und wollte auch nicht gleich zu Kreuze kriechen.

Unser Karl hörte alles, wie sich alle beide unten rumzankten und auch wie sie in der Backstube den Zank fortsetzten, weil es draußen so kalt war. Da ging unser Karl, so wie er war, schnell runter und machte aus der Fünf wieder eine Drei. Es wurde höchste Zeit, dass er wieder in sein Zimmer kam, denn der Bäcker kam jetzt mit dem Nachtwächter wieder raus und brüllte ihn ganz laut an: „Nun, wenn er nicht wüsste, was eine Drei und eine Fünf ist, da hört aber alles auf. Hier steht es ganz deutlich, 3 Uhr“. Der Nachtwächter war darüber ganz verwundert, blieb aber dabei, es wäre erst eine Fünf gewesen. Die Beiden kamen nicht ins Reine. Der Bäcker beschwerte sich später auch beim Stadtrat. Der Nachtwächter leistete einen Schwur, dass es eine Fünf gewesen wäre, aber es war nichts zu machen. Die Beiden haben noch lange miteinander gestritten. Dass es unser Karl gewesen war, darauf kamen sie nicht.

ENDE

* Anmerkungen