Foto: Fernblick Laußnitz

oben: Fernblick auf Laußnitz

Die Geschichte:
Zwei Fliegen auf einen Schlag.

Zwei Fliegen auf einen Schlag.

(Eine Geschichte aus dem Jahr 1880)

Ich habe es schon öfters gesagt, dass die Laußnitzer* gemütliche Kerle sind. Dass es schön ist, unter ihnen zu leben und dass sie auch einen Spaß verstehen. Es hat aber jedes Ding ein Ende und deshalb auch der Spaß. Wenn man es mit einem aus der Oberlausitz zu weit treibt, stellt er sich auf die Hinterbeine und wehrt sich tüchtig. Da wird man sich schnell gegenwärtig, dass es so ein Laußnitzer faustknüppeldicke hinter den Ohren hat. Wenn man nun einmal so etwas behauptet hat, muss man es auch beweisen und das soll mir nicht schwerfallen. Da könnte ich von Linke August* was erzählen, oder von Häbler Ernst*, oder von Richters Karl*, oder von Neumann seinen ältesten Sohn*, oder von Kirchen-Böhmes Karl* und so weiter. Ich will aber nur von einem etwas berichten, sonst wird die Geschichte zu lang. Da wollen wir gleich mal Kirchen-Böhmes Karl herausnehmen. In der Oberlausitz gibt es aber so viele Böhme, dass ich erst erwähnen muss, dass das nicht der Kirchen-Böhme von Weixdorf ist, sondern aus einem anderen Dorf bei Laußnitz. Sie gehen sich auch nichts an. Also der Kirchen-Böhme, den ich meine, hatte einen Sohn, den er unbedingt Pastor lernen lassen wollte. Karl aber hatte nun überhaupt keinen Willen dazu. Er meinte, da müsste er immer sehr ernst sein und das brächte er nicht zuwege. Weil er aber nun mal in Zittau ein Braunkohlebergwerk gesehen hatte und es ihm sehr gefiel, im Berg unten rumzukrabbeln, sagte er seinen Eltern, er wolle Bergmann lernen. Alsdann lag er seinen Eltern so lange auf den Ohren mit seinem Bergmannlernen, dass sie zuletzt doch noch nachgegeben haben. Als er mit der Schule fertig war, schickten sie ihn nach Freiberg auf die Akademie. Da sollte er nun Bergmann lernen.

Karl mag sich nun das Ding zuerst ganz anders vorgestellt haben, denn es war nicht sehr leicht und mit dem Untenrumkrabbeln war es in der ersten Zeit auch nichts. Lernen musste er, viel lernen. Er brachte es zuletzt aber zu einem Ende und war anschließend ein richtiger Marktschneider geworden, oder wie es in der Amtssprache heißt: Markschneider (Vermessungsfachmann). Du, was er als Marktschneider gemacht hat, geht mich nichts an. Jetzt sprechen wir vom Studenten Karl Böhm. Als nun Karl nach Freiberg gekommen war, mietete er sich ein kleines Zimmer. Er fragte überall herum, bis er eins gefunden hatte, was nicht zu teuer war. Die jungen Burschen hatten damals noch nicht so viele Ansprüche an das Leben gehabt und begnügten sich, wenn so ein Zimmer recht einfach war. Heute aber wollen sie wie die Fürsten leben und wundern sich alsdann, wenn das Geld nicht ausreicht. In dem Haus gab es nun auch eine Bäckerei, wegen der unser Karl auch dort eingezogen ist. Er dachte, dass er da jeden Morgen frischgebackene Semmeln bekommen könnte. Später aber hatte er es bereut, denn der Bäcker war ein alter, mürrischer Griesgram und unser Karl sollte das mehr als einmal erfahren. Eines Abends kam er spät in der Nacht nach Hause. Doch erst als er die Tür aufschließen wollte, wurde er sich dessen gewiss. Er konnte sich alle Mühe geben, der Schlüssel passte einfach nicht ins Schloss. Karl bemerkte nicht, dass er ihn immer verkehrt herum reinstecken wollte. Das konnte natürlich nichts werden. Was ein richtiger Hausschlüssel ist, den konnte man auch nur von einer Seite benutzen. Hat man aber die erwischt, geht es dann ganz gut. Kurzum, es ging nicht und ging nicht. Was nun machen? Draußen bleiben (es war Winter) konnte er nicht. Nun dachte er, werd ich klopfen. Und er klopfte. ...

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